Galater 3:28

Kategorie(n): Bibel   Wahrheit  

Ich habe in den letzten Monaten sehr häufig Gespräche oder höre / oder lese Meinungen von Christen, die alle auf einen konkreten Bibelvers und auf eine bestimmte Auslegung dieses Verses, zurückzuführen sind: Galater 3:28. Da heißt es: "Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Messias Jesus." Bedeutet das, dass es "in Jesus" keinen Unterschied zwischen Jude und Christ, zwischen Sklave und Freier oder zwischen Mann und Frau gibt?

Jude und Christ

In unserer Zeit, wo immer mehr Christen Gottes Liebe zum Volk Israel bekommen, stellen sich Fragen, die für das gemeinsame Zusammenleben ganz grundlegend sind: Gibt es - in Jesus - einen Unterschied zwischen Jude und Christ? Manche Christen meinen, es gäbe - auf der Basis dieses Verses - keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Speziell bei wiedergeborenen, gläubigen Menschen, die Israel lieben (was wunderschön ist), sieht man es manchmal, dass sie meinen, Christen müssten wie Juden leben. Bei einer richtigen Wertschätzung und Betonung des Alten Testaments (siehe Artikel) und dem Feiern der biblischen Feste (siehe Artikel), gehen sie dann jedoch einen Schritt zu weit: "wirklich geistliche" Christen müssten wie Juden leben. Gibt es doch angeblich "laut Galater 3:28 keinen Unterschied mehr zwischen Jude und Christ". Diese Kontroverse gab es schon zwischen Paulus und Petrus. Doch das klare Bekenntnis der Schrift sagt aus, dass Juden nicht wie Heiden, und Heiden nicht wie Juden leben müssen (Gal 2:11-14, Acts 15:1-33).

Sklave und Freier

Analog stellt sich die Frage nach der "Gleichheit" von Sklaven und Freien. Hier geht es (wie bei Mann und Frau) um Unterordnung einerseits und Respekt andererseits als die richtige Haltung im Herzen eines Menschen.

Mann und Frau

Christliche Gemeinden, die den gottlosen Feminismus- und Gender-Bewegungen erlegen sind, sehen überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Die "biblische" Rechtfertigung? Galater 3:28. Irgendwie seien jetzt "in Jesus" alle Unterschiede zwischen Mann und Frau aufgehoben worden. In diesen Gemeinden finden wir dann, dass Frauen über Männer herrschen, als Leiter und/oder Pastoren fungieren und junge Mädchen dazu angehalten werden, Wege zu gehen, die das Wort Gottes nur für Männer vorsieht. Doch ist diese eigene Auslegung von Galater 3:28 wirklich das, was die Bibel sagt oder meint?

Zahlreiche Bibelstellen, wie der Schöpfer Mann und Frau in jeder Beziehung "gleich und doch nicht gleich" erschaffen hat, werden ignoriert oder umgedeutet. Am Beispiel von Mann und Frau sehen wir, dass Galater 3:28 nicht über "völlige Gleichheit" spricht:

Gleich und ungleich

Mann und Frau sind körperlich gleich (beide haben Organe wie einen Kopf, Augen, Nase, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Füße, Herz, Leber, Niere, Galle, ...) und doch sind sie ungleich: gerade die Geschlechtsorgane markieren die Unterschiedlichkeit. Die genetischen Informationen in der DNA (die Geschlechtschromosome) führen zu den unterschiedlichen körperlichen Ausprägungen bei Mann und Frau.

Mann und Frau sind seelisch gleich (beide haben Gefühle, eigene Gedanken und einen Willen) und doch sind sie ungleich. Jedes verheiratete Ehepaar (zwischen einem Mann und einer Frau - alles andere ist in Gottes Augen keine Ehe) wird darüber Zeugnis geben, wie anders Männer denken als Frauen, und wie unterschiedlich Frauen empfinden als Männer.

Mann und Frau sind geistlich gleich (beide haben einen Geist, den sie von Gott bekommen haben; beide können mit ihrem Schöpfer eine Beziehung haben; beide können beten; beide können erlöst werden) und doch sind sie auch geistlich nicht vollkommen identisch zueinander. Männer haben seit der Schöpfung vor 6.000 Jahren bis heute größere geistliche Autorität, speziell in Bezug auf ihre Frauen (1. Kor 11:1-16), größere Verantwortung vor Gott und einfach andere Aufgaben (leiten, lehren) als Frauen. Dass viele Männer diese Verantwortung nicht wahrnehmen und viele Frauen diese Autorität der Männer nicht akzeptieren wollen ist eine traurige Realität und der Grund, warum wir heute so wenig Ehepaare in Einheit sehen und so viel vom Segen Gottes nicht erleben!

[ Wer sich mehr dafür interessiert, dem lege ich unser Buch "Als Mann und Frau schuf Er sie" ans Herz. ]

Ja, es stellt sich die Frage, was Galater 3:28 wirklich aussagt. Wenn es offensichtlich immer noch Unterschiede zwischen Jude und Christ, Sklave und Freier, Mann und Frau gibt, was bedeutet dann der Vers? "Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Messias Jesus."

Was bedeutet Galater 3:28 wirklich?

Wenn es Bibelverse gibt, die falsch zitiert und unrichtig ausgelegt werden, dann ist Gal 3:28 einer davon!

Wie immer ist der Zusammenhang, in dem ein Bibelvers steht, entscheidend. Im Fall von Galater 3:28 ist es das ganze Kapitel 3. Hier geht es um die Erlösung und um die Frage, wer errettet werden und den verheißenen Segen von Gott empfangen kann. Die Frage ist deshalb so wichtig, weil die Verheißung, die Gott gab, nur für einen einizgen bestimmten Menschen ausgesprochen wurde. Im Detail:

Gott gab "Abram und seinem Samen [Nachkommen]" die wunderbare Verheißung des Heiligen Geistes und des ewigen Lebens. Dieser Nachkomme, dem die Verheißung gilt, war ein Jude - kein Heide; er war ein Freier - kein Sklave; er war ein Mann - keine Frau.

Gilt diese Verheißung nur für diese eine Person? Oder nur für Juden? Nur für Freie? Nur für Männer? Wie kann ein Nichtjude, ein Sklave, eine Frau diese Verheißung empfangen? Geht das überhaupt?

Im ganzen Kapitel 3 beschäftigt sich Paulus mit dieser Frage. Wie kann ein Mensch die Verheißung, die Gott Abraham gegeben hat, empfangen? Anders ausgedrückt: wie kann jemand zu "Abrahams Same = Abrahams Nachkomme" - und damit zu einem Erben - werden? Gilt die Verheißung doch nur einem einzigen Nachkommen und nur einem einzigen Erben: Jesus, dem Messias.

Es geht in Galater Kapitel 3 also gar nicht um die Frage, ob es "überhaupt keine Unterschiede" zwischen Jude und Christ / Sklave und Freier / Mann und Frau mehr gibt! Sondern es geht um eine ganz andere Frage, nämlich wie ein Mensch das Erbe empfangen kann, das eigentlich einem anderen gilt.

Die Lösung

Wie kann ein Mensch also die Verheißungen empfangen? Die Antwort: durch vollkommene Identifizierung mit dem, dem die Verheißung gilt. Wenn wir uns mit Jesus, dem Messias, identifizieren, erben wir auch diese Verheißung, die eigentlich ihm gilt! So ist es möglich, im Detail:

  • Vers 3:26 wenn wir "durch den Glauben in Messias Jesus" Kinder Gottes sind
  • Vers 3:27 wenn wir "auf Messias getauft" sind und
  • Vers 3:27 "Messias angezogen" haben ("angezogen" ist eine Sprache der Identifikation!)

Nach der vollständigen Identifikation eines Menschen mit Jesus, dem Messias, nimmt dieser Mensch SEINE Identität an und ist somit - weil Jesus es war - als Jude, Freier und Mann zum Empfang der Verheißung und zum Erbe berechtigt. Diese Verheißung empfangen wir (nur!) durch unseren Glauben: Gal 3:1-9.

Daher schließt Paulus das Kapitel mit der logischen Schlußfolgerung ab: "Folglich: wenn ihr Messias angehört, so seid ihr Abrahams Nachkommenschaft, Erben nach der Verheißung." (Gal 3:29)

Wir sehen in Galater, Kapitel 3, den Weg, wie Gott seinen versprochenen Segen von Abraham über Jesus, den Messias, in alle Welt bringt. Ganz so, wie er es verheißen hat. Der Vers Galater 3:28 hat im Speziellen also nichts mit einer "Gleichheit" zwischen Mann und Frau oder zwischen Jude und Christ zu tun, so als ob alle ganz natürlichen Unterschiede "in Jesus" aufgehoben wären. Diese bleiben bestehen.

Ingeborg Beyeler (9. 6. 2016, 8:55)

Vielen Dank für den Artikel! Ich bin mit der Schlussfolgerung (Gal.3,29) vollkommen einverstanden! Auch der Vers Gal.3,28 ist richtig zitiert: "Da ist weder Jude noch Grieche...". Im Artikel wird das Wort Grieche jedoch meistens durch das Wort Christ ersetzt, und das könnte beim Leser zu Verwirrung führen. Ein Christ ist ja im biblischen Sinne ein Mensch, der dem Messias (= Christus) angehört. Gal.3,28 meint mit Grieche aber nicht einen Christen in diesem Sinne, sondern etwas ganz anderes, nämlich schlicht und einfach einen Menschen, der nicht als Jude geboren ist, also einen Nichtjuden. S ... Alles anzeigen >>


Helmut Leinfellner (14. 7. 2016, 10:42)

Ich stimme zu. Genau so habe ich den Begriff Christ in diesem Artikel gemeint.


Regina Pokorny (14. 7. 2016, 17:17)

Lieber Helmut! Meine Frage an dich zu diesem Artikel ist, wie sieht es deiner Meinung nach aus, wenn "wiedergeborene Christen, die Israel lieben, meinen, wie Juden leben zu müssen". Ich selbst feiere seit ca 10 Jahren den Shabbat, die biblischen Feste und esse biblisch koscher. Außerdem versuche ich, hebräisch zu lernen. Das wird vom christlichen und weltlichen Umfeld bereits als "Leben wie Juden" wahrgenommen und dementsprechend heftigst kritisiert.....Nachdem ich annehme, dass du dies auch tust, was meinst du dann genau und konkret damit? Toda Raba! Regina


Helmut Leinfellner (14. 7. 2016, 21:33)

Liebe Regina, ich kann Dich gut verstehen! Auch ich erlebe manchmal diese Haltung mir gegenüber. Was Du aufzählst, finde ich nicht übertrieben. Einzig über das koschere Essen könnten wir noch mehr miteinander austauschen, was aber auf jeden Fall die Einheit zwischen uns nicht stören sollte.

Was ich gemeint habe, geht noch weit darüber hinaus. Da sollten Christen z. B. nur mehr die hebräischen Namen sagen dürfen, nur "Yeshua" wäre richtig, "Jesus" zu sagen wäre also falsch. Solche Sachen gehen doch weit über das hinaus, was geschr ... Alles anzeigen >>


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