Die Freunde Hiobs

Kategorie(n): Bibel  

Vor einiger Zeit kam ein Bruder im Herrn zu uns zu Besuch. Er setzte sich zu uns und begann plötzlich, meine Frau anzuklagen. Ich traute meinen Ohren nicht. Um fair zu sein, hörte ich ihm ein paar Minuten zu, um zu sehen, was er eigentlich aussagen wollte. Nicht nur sah er sie zum ersten Mal, sondern er krisitierte sie auf einem Gebiet, das ihn persönlich überhaupt nicht betraf. Danach wandte er sich zu mir und begann, mich zu kritisieren. Wiederum auf einem Gebiet, das nichts mir ihm persönlich zu tun hatte. Wir hatten ihn nicht verletzt oder uns anders falsch verhalten. Er machte zusätzlich noch Aussagen, die offensichtlich nicht stimmten. Schließlich gab es ein drittes Gebiet, bei dem er auf aggressive Art meinte, ich läge nicht richtig. Ganz offensichtlich hatte er auch hier über etwas gesprochen, was er zu wenig oder gar nicht kannte.

Mein starker Eindruck war, daß er einseitige und unzureichende Informationen über uns hatte, und jetzt gekommen war, "um uns so richtig seine Meinung zu sagen". Nach seinen eigenen Worten hätte er sinngemäß "nur ein bißchen Druck auf uns gelegt". Er war sehr verwundert, warum wir "so empfindlich reagierten". Nach einigen Minuten und großer Überraschung über sein Verhalten, verteidigte ich dann meine Frau ihm gegenüber und stellte klar, daß er eine Grenze überschritten hat (eigentllich drei Grenzen) und daß auch einige seiner Aussagen ganz einfach nicht richtig waren. Dabei bemühte ich mich, äüßerlich ruhig zu sein, obwohl ich, ehrlich gesagt, innerlich teilweise aufgebracht war.

Kennt ihr solche Situationen? Die einfache, aber nicht leichte Frage: Wie sollen wir uns ganz allgemein in solchen Situationen verhalten?

Druck, der nicht von Gott ist

Ich glaube, Hiob hatte das auch erlebt, und noch viel stärker. Er hatte erlebt, wie seine "Freunde" zu ihm kamen und ihn stark kritisierten. Sie machten die klassischen Fehler,

  • ein Urteil über einen Menschen abzugeben, ohne genau zu wissen, was Gott im Leben dieses Menschen tut.
  • Hiobs Freunde kamen und dachten, sie wüssten ganz genau, was "Hiobs Problem" sei. Sie beschuldigten ihn, gesündigt zu haben, und deswegen müsse er das erleiden, was er durchmachte.
  • Sie sprachen in Hiobs Leben hinein, obwohl sie vom Herrn keine Autorität dazu hatten.

Genau das erlebten meine Frau und ich an diesem Abend.

Zu oft überheben wir uns über andere, speziell über Brüder und Schwestern im Herrn.
Zu oft maßen wir uns an, wir wüssten ganz genau, warum dies und jenes im Leben eines anderen so und so wäre.
Zu oft stellen wir uns an Gottes Stelle - und wissen dabei oft nicht, was der Herr in Seiner Weisheit und Liebe im Leben des anderen tut und spricht - und was nicht!

Was können wir daraus lernen?

Jesus sagt uns, daß wir den Baum an seiner Frucht erkennen werden. Also, prüfen wir die Frucht. Das Resultat war katastrophal:

Erstens ist ein Verhalten wie das dieses Bruders ganz einfach Sünde. Er mischte sich in Angelegenheiten, die ihn nichts angingen (vergleiche Sprüche 26:17).

Zweitens war es lieblos. Er kam und kritisierte und kritisierte. Ich sagte ihm während des Gespräches, er solle nicht kritisieren, sondern ermutigen.

Drittens war es verletzend. Ähnlich wie die Freude Hiobs dem Mann durch ihre "gut gemeinten Ratschläge" noch mehr Schmerzen zugefügt hatten, wurden meine Frau und ich im Herzen getroffen. Speziell deshalb, weil es ganz unerwartet und durch einen Bruder im Herrn geschah.

Und viertens hat es die Beziehung zueinander gestört. Sein Kommen hatte nichts Gutes gebracht. Vom Herrn war er jedenfalls nicht gesandt, das zu tun, was er tat.

Gottes Urteil über Hiobs Freunde? Es war stark: "Als der HERR nun diese Reden an Hiob vollendet hatte, sprach der HERR zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist über dich und deine beiden Freunde entbrannt, denn ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob. So nehmt nun sieben Farren und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und bringt sie als Brandopfer für euch selbst dar; und mein Knecht Hiob soll für euch bitten; denn nur seine Person will ich anschauen, daß ich gegen euch nicht nach eurer Torheit handle; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob." (Hiob 42:7-8)

Vier Mal(!) spricht Gott Hiob hier als "seinen Knecht oder Diener" an. Wenn wir Gott dienen wollen, müssen wir "recht über ihn sprechen".

(1) Sprechen wir nicht ins Leben anderer Menschen hinein, wenn wir nicht wissen, was Gott im Leben des anderen tut!

(2) Gehen wir nicht zu anderen hin, wenn der Herr uns nicht gesandt hat. Wenn wir keine Autorität vom Herrn bekommen haben, ist es besser, wir schweigen und beten für den anderen. Beten wir auch für uns selbst um ein reines Herz!

Echte Autorität

Doch wie können wir erkennen, ob und wann wir Autorität vom Herrn bekommen haben, ins Leben anderer Menschen zu sprechen oder nicht?

Erstens: Autorität ist etwas, was wir bekommen - nicht etwas, was wir uns nehmen.

Echte, also göttliche Autorität erhalten(!) wir. Johannes der Täufer drückte es sehr gut aus: "Ein Mensch kann nichts empfangen [oder nehmen], es sei ihm denn vom Himmel gegeben." (Joh 3:27)
Wir haben schon zu viele gläubige(!) Menschen auf dieser Welt, die versucht haben, sich selber Autorität zu nehmen. Die sich über andere erheben. Die sich selbst erhöht haben und meinen, sie seien etwas Besonderes.

Spezialfällle sind die, wo Gott bereits Autorität gegeben hat: bei einem Ehemann über seine Ehefrau, bei Eltern über ihre Kinder, bei Herren über Sklaven. Bei Lehrern, bei Leitern usw. . Alle diese Bereiche sind natürlich eigene Artikel wert und können eine reiche Quelle für sehr viel Mißbrauch sein, speziell im geistlichen Bereich. Echte Autorität Gottes und Mißbrauch liegen oft sehr eng beeinander.

Als zweiten Schritt erkennen Menschen an, daß wir Autorität von Gott empfangen haben. Wenn Du sagst, Du hast Autorität von Gott in einem bestimmten Bereich, wird es früher oder später offenbar werden und Menschen, die wirklich vom Geist Gottes geleitet sind, werden es sehen und bezeugen (1. Tim 5:25). Wenn jemand dagegen behauptet, er sei ein Gesalbter Gottes, es sind jedoch über längere Zeit keine guten Früchte sichtbar, ist das ganze nicht vom Herrn oder zumindest zweifelhaft (siehe Apg 5:34-39).

Mose empfing seine Autorität von Gott bei seiner Berufung beim brennenden Dornbusch. Und das Volk Israel erkannte, daß er von Gott gesandt war (Exodus 4:29-31).
Jesus selbst empfing die Autorität und Zurüstung durch den Geist Gottes, bei Seiner Taufe. Danach ging er hin und predigte, heilte und wirkte Wunder - in der Kraft Gottes. Und Menschen sahen und erkannten Seine Autorität (Lukas 7:16).

Wir können viel lernen und gewinnen

Wie bei unserem Fall mit einem Bruder im Herrn ist es oft am schwierigsten, nichts zu sagen, wenn Du meinst, jemand tut etwas Falsches. Speziell eben, wenn es sich um einen Bruder oder eine Schwester im Herrn handelt. Und vielleicht noch einmal spezieller, wenn es sich um den Ehepartner oder jemanden sehr nahe stehenden handelt. Wir leben ja eng miteinander und sehen die Stärken und Schwächen des anderen. Sehr oft ist die richtige Vorgehensweise, NICHTS zu sagen und ZUERST zu beten. Und wenn Du gebetet hast, Zeit vergehen zu lassen - und wieder zu beten. Wenn wir für den anderen, der in unseren Augen falsch liegt, beten, kann Gott uns Sein Herz geben, damit wir die richtigen Worte finden, falls Gott uns überhaupt zu dem anderen sendet, um etwas zu sagen. Und wenn Gott es tut - und nur dann! - sprechen wir in Liebe und Verständnis mit ihm oder ihr - ganz nach Galater 6:1: "Brüder, wenn auch jemand von einem Fehltritt übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut(!) wieder zurecht; und schau dabei auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest!"

Und was, wenn der andere nicht hört? Je nach Situation kann es gut sein, gar nichts zu sagen und weiter zu beten (du hast ja ohnehin schon mit ihm oder ihr geredet - der andere kennt deine Meinung!) oder mit Hilfe eines oder zwei anderen darüber zu sprechen, wenn es um größere Dinge geht. Jesus sagt uns: "Und wenn dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch, wenn zwei von euch auf Erden über irgend eine Sache, für die sie bitten wollen, übereinkommen werden, so soll sie ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Matt 18:15-20)

Jesus geht es zuerst darum, "den Bruder zu gewinnen". DAS sollte unsere Motivation sein, wenn wir mit jemandem anderen reden! Wenn es größere Herausforderungen gibt, kann es notwendig oder gut, ja sogar heilsam sein, mit anderen geisterfüllten Menschen darüber zu reden und sie miteinzubeziehen. Es ist in solchen Fällen sicher gut, wenn es bei den betreffenden Personen untereinander Vertrauen gibt. Und schließlich gibt es "Härtefälle", wo ein Ausschluß und ein Sich-Distanzieren der einzige Weg ist (siehe z. B. 1. Kor 5:5; 1. Tim 1:20).

Und die andere Seite? Wenn jemand zu mir kommt, und meint, ich läge auf einem Gebiet falsch? Wie soll ich mich verhalten?

Erstens, entspann dich! Selbst, wenn der andere dich attackiert und zu Unrecht beschuldigt, bleib ruhig. Schließlich stehst oder fällst Du dem Herrn gegenüber und nicht einem Menschen gegenüber. Röm 14:4 spricht hier ein Warnung aus: "Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber aufgerichtet werden; denn der Herr vermag ihn aufzurichten." Wenn Du also von anderen gerichtet wirst, sei innerlich ruhig und bedenke, daß der andere dadurch ein Problem hat, denn ER sündigt! Bete für ihn!

Der Herr hat das letzte Wort. Wenn dich auch andere kritisieren, und vielleicht noch dazu falsch liegen. Jesus wird dich immer liebevoll korrigieren. Er wird dich sicherlich auch strenger zurechtweisen, wenn es notwendig ist (siehe die Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3!), aber er wird dir auch immer Seine Gnade anbieten, damit du umkehren kannst. Gott will Dich wiederherstellen, nicht zerstören!

Zweitens, schau auf dein eigenes Herz: trage das, was der andere gesagt hat, vor den Herrn. Prüfe es. Nimm Dir dafür Zeit. Bewahre dir ein reines Herz! Handle nicht aus Emotionen heraus. Manchmal kann Bewegung helfen, locker zu werden oder in Gedanken frei und klar zu sehen: spazieren gehen, Rad fahren oder schwimmen. Vergib, und bitte den Herrn, dich zu heilen, wo Du verletzt worden bist. Und bete für den, der sich dir gegenüber falsch verhalten hat. Ich habe sehr oft erlebt: wenn wir für die, die uns verfolgen, beten, macht der Herr uns frei! Ganz genau wie bei Hiob (Hiob 42).

Drittens, sei ehrlich: Frage den Herrn, ob das stimmt, was der andere gesagt hat. Er mag sich falsch verhalten haben (das "WIE" war falsch), aber "WAS" er gesagt hat, mag stimmen. Denk daran, Gott lässt uns alles zum Guten gereichen (Röm 8:28) und wenn du falsch liegst und Buße tust, kannst du nur gewinnen! :-)

Lernen wir, miteinander in der Wahrheit und in der Liebe zu leben!

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