Die Torah - das "Gesetz"

Kategorie(n): Bibel  

Viele von uns verbinden mit dem Wort "Gesetz" nichts Positives. Es erinnert uns an strikte Regeln, die wir einhalten müssen; an Polizisten, die nur darauf warten, dass wir einen Fehler machen; an Richter, die uns verurteilen. Doch ein Gesetz bringt auch Ordnung, ohne die die Welt im Chaos versinken würde. Das hebräische Wort "Torah", das leider suboptimal mit "Gesetz" übersetzt wird, bedeutet genauer gesagt "Lehre", "Instruktion", "Unterweisung" und "Offenbarung". Es drückt aus, dass Gott uns durch Sein Wort den Weg zum Leben zeigt, wie es gelingen wird. Wie er sinngemäß zu Joshua gesagt hat: wenn du nach meinem Wort lebst, wirst du Erfolg haben (Jos 1:1-9).

Ich möchte in diesem Artikel daher bewusst hauptsächlich das Wort "Torah" und nicht "Gesetz" verwenden, ein paar Fragen stellen und versuchen zu beantworten: Warum hat Gott die Torah gegeben? Was lernen wir aus der Torah? Wie sollen Christen zur Torah, zum "Gesetz" und zum Alten Testament überhaupt stehen?

Das "Gesetz" ist ein Bund Gottes mit dem Volk Israel, der heute noch gilt.

1. Die Torah offenbart Gott. Sie zeigt Gottes Wesen, seine Heiligkeit und seine Werte. Wenn ich manchmal Menschen zuhöre, wie sie so über die Torah reden, klingt es, als hätte Gott einen Fehler gemacht, wie er Mose am Berg Sinai die zwei steinernen Tafeln gegeben hat. Doch Gott offenbart sich selbst durch sein Wort. Die Torah offenbart uns, wie Gott ist: heilig, gerecht, vollkommen.

2. Die Torah zeigt uns, was Sünde ist und dass wir Sünder sind.

"Aber ich hätte die Sünde nicht kennengelernt, wenn es nicht durch die Torah geschehen wäre. Ich wüßte nichts von der Begierde, wenn die Torah nicht sagte: Du sollst nicht begehren." (Röm 7:7) Wir lernen durch das Gesetz die Sünde kennen. Wir sehen den Unterschied zwischen Gott, der vollkommen ist, und uns, die wir unvollkommen sind. Gott sagt uns, was richtig und was falsch ist. Er gibt uns seinen moralischen Standard, und all das ist ein großer Segen! Wo wäre die Welt ohne Gottes Werte?

3. Die Torah zeigt uns, wo wir Erlösung finden. Das Gesetz kann selbst nicht erlösen, aber es zeigt uns den Weg dazu. Das Alte Testament ist die Basis des Neuen Testaments. Es bereitet den Weg vor. Es bereitet unsere Herzen vor. Es ist wie ein guter Freund, der dir zeigt, dass du Hilfe brauchst und dir dann auch noch sagt, wo du sie bekommst. Die Torah führt dich zu Jesus!

Die Torah sagt: "Ich kann Dich nicht erlösen, aber geh zu Jesus!"

Ein gutes Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 2 zu Shavuot oder Pfingsten. Alles, was Petrus predigte, war aus dem Alten Testament (es gab ja noch kein Neues!). Die Juden, die ihm zuhörten, waren aus dem Gesetz, aus der Torah, unterwiesen. Sie hatten erkannt, dass Gott heilig ist und sie Sünder waren, und dass sie den verheißenen Messias gekreuzigt hatten. Sie fragten genau die richtige Frage, die die Torah in ihnen bewirken wollte: "Brüder, was sollen wir tun [um errettet zu werden]?" Die Antwort? Wiederum genau das, was das Gesetz sagt: "Geht zu Jesus! Er wird euch vergeben und erlösen." (Apg 2:38-39) Das gilt übrigens nicht nur für ungläubige Menschen, die ohne den Herrn leben. Für alle bleibt die Botschaft der Torah dieselbe: "Du bist ein Sünder und findest bei Jesus Erlösung!" Die Torah, richtig angewandt, führt Menschen zu Jesus. Sie ist ein Evangelist Gottes! :-)

"Aber ich dachte, Christen sind vom Gesetz befreit!"

Die Torah war (und ist!) Gottes Bedingung, um vor ihm gerecht zu sein. Wer alles einhält, wer vollkommen lebt, den erklärt Gott für gerecht. Doch niemand kann alle Gebote erfüllen. Keiner kann Gottes hohe Latte erreichen. Die Torah gibt aber auch gleichzeitig die Lösung: Jesus hat alles für uns erfüllt. Er hat vollkommen gelebt und alles, was die Torah fordert, erfüllt.

Bevor Jesus auf diese Erde kam, um die Erlösungstat zu vollbringen, fungierte die Torah als ein "Vormund" für uns. Was ist der Unterschied zwischen einem Sohn und einem Sklaven? Der Sohn ist Erbe, der Sklave nicht. Aber solange der Sohn nicht konkrete Voraussetzungen erfüllt, bekommt er das Erbe nicht und unterscheidet sich damit nicht vom Sklaven. So waren auch wir, bis der Glaube in unser Leben kam, wie unmündige Kinder, die das Erbe noch nicht empfangen konnten. Wir waren "UNTER dem Gesetz", das uns in Gewahrsam hält, zu uns als Sünder spricht und uns auf Jesus vorbereitet hat (Galater 4). Als wir Jesus mit Glauben in unser Leben aufgenommen haben, hat die Torah ihr Ziel erreicht! Gläubig gewordene Menschen sind also nicht mehr UNTER dem Gesetz. Sie sind aber nicht vom Gesetz Gottes frei! Oder gelten die 10 Gebote für uns nicht mehr? Sollen wir nicht "den Nächsten lieben wie dich selbst" (Lev 19:18)?

Ein wesentlicher Vers für das richtige Verständnis der Torah ist Römer 10:4: "Ziel der Torah ist ja Messias zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt." Das Wort "Ziel" wird oft auch irreführend mit "Ende" übersetzt. Denken wir dabei an einen 100m Wettlauf mit "Start" und "Ziel", oder "Anfang" und "Ende". Wieder einmal führt eine ungenaue Übersetzung zu einem großen Problem: Das Wort "Ende" scheint anzudeuten, dass die Torah vorbei wäre und keinerlei Bedeutung mehr in unserem Leben hätte. Als Folge davon lesen viele Christen nur mehr das Neue Testament. Hat Gott also wirklich einen Fehler gemacht, als er Mose am Berg Sinai die Steintafeln, mit seinem eigenen Finger beschrieben, überreicht hat? Lag Paulus falsch, als er im gesamten Neuen Testament immer die Torah verwendet hat, um zu beweisen, dass Jesus der Messias ist? Das Wort "Ziel" hingegen gibt ein ganz anderes Bild: das Ziel im Wettlauf ist das, was ich erreichen will. Es ist der Grund, warum ich laufe, um ans Ziel zu gelangen. Der Grund, warum Gott die Torah gegeben hat, war, uns als Sünder zu überführen und zu Glauben an Jesus zu bringen. Es war Gottes Vorbereitung auf unsere Erlösung! Die Torah sollte in uns Glauben an Jesus bewirken. Dieses Ziel gilt heute noch. In diesem Sinn ist das Gesetz also nicht vorbei, sondern aktiv am Werk.

"Ich bin nicht gesetzlich!"

Viele Christen verwenden (aus dem oben genannten falschen Verständnis) die Torah leider als Ausrede, nur weil sie bestimmte Dinge nicht tun wollen. Ein paar Beispiele wären: einen Ruhetag in der Woche zu haben; den Zehnten vom Einkommen zu geben; kein Blut zu essen. Nicht nur versäumen sie so Gottes Willen (und Segen!) für sich selbst, sondern sie stellen die Torah auch als negativ hin, denn: wer will schon gesetzlich sein? Doch aus Römer 7:12 wissen wir, dass die Torah geistlich ist, und das Gebot des Herrn gut, heilig und vollkommen! Wenn Gott sein Wort so beschreibt, dürfen wir es dann als "gesetzlich" abtun?

Kann die Torah schlecht sein, wenn es ihr Ziel ist, uns zu Jesus zu führen?

Das "halbe" Wort Gottes

Was hat David gemeint, als er sagte: "Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, auf meinem Weg ein Licht." (Psalm 119:105) Waren es nur die Psalmen und das Buch der Sprüche? Waren es nur, wie heute bei vielen Christen üblich, "ausgewählte Stellen" des Alten Testaments? Hatte Paulus nur ein paar Kapitel gemeint, als er schrieb: "JEDE SCHRIFT ist von Gott eingegeben und nützlich ..."? (2 Tim 3:16) Oder war es doch das komplette Alte Testament, das von Gott inspirierte, ewige Wort, das "für immer in den Himmeln feststeht"? (Ps 119:89)

Das Alte Testament ist weder schlecht noch überholt. Das Buch Genesis, die Schöpfungsgeschichte, die Berufung Israels, die 10 Gebote, die Bündnisse Gottes, die Prophetien über Jesus, die Verheißungen über einen neuen Himmel und eine neue Erde - alles aus dem Alten Testament - sprechen eine klare Sprache! Die Torah ist nicht "gesetzlich", vielmehr Gottes Anleitung, der Weg zum ewigen Leben, das in Jesus dem Messias ist.

Die Liebe ist die Vollendung der Torah (des Gesetzes). (Röm 14:10)

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