Wein, Traubensaft und die Liebe zum Nächsten

Kategorie(n): Bibel  

Es gibt doch tatsächlich Themen, die Gläubige spalten, von denen man es überhaupt nicht annehmen würde. Ich möchte es an einem konkreten Beispiel zeigen, und zwar bei der Frage: "Wein oder Traubensaft?". Die Grundaussagen können aber auf viele, für uns sehr wichtige Bereiche im Leben angewandt werden. Und wie wir sehen werden, ist dabei nicht das Thema das eigentliche Problem, sondern unser Umgang damit!

Was sagt die Bibel?

Sowohl im Hebräisch des Alten, als auch im Griechisch des Neuen Testaments gibt es ein Wort, das "fermentierten Wein" bezeichnet. Das hebräische Wort "Yayin" bezeichnet Wein mit Alkohol, keinen Traubensaft ohne Alkohol. Die Beispiele dafür sind überzeugend:

(1) Noah, der von Gott selbst als "ein gerechter Mann" bezeichnet wird (Gen 6:9), wurde nicht von Traubensaft, sondern von "Yayin" betrunken (Gen 9:20-21). Ist es also OK, Wein zu trinken, weil Noah auch getrunken hat? Oder ist es falsch, Wein zu trinken, weil Noah betrunken wurde? Wie wir gleich sehen werden, geht es um eine andere Frage ...

(2) Fermentierter Wein ("Yayin") wurde verwendet, um den Altar Gottes zu weihen: (Ex 29:38-43). Wein war Teil einer heiligen Handlung, "zum lieblichen Wohlgeruch" am Ort der Begegnung, wo Gott in Herrlichkeit gekommen ist.

Das griechische Wort für fermentierten Wein, nicht Traubensaft, ist "Oinos". Wenn wir in Epheser 5:18 dazu aufgefordert werden: "Berauscht euch auch nicht mit Wein", so steht hier "Oinos". Könnten wir durch Traubensaft berauscht werden? Und in 1 Tim 5:22-23 sagt Paulus zu Timeotheus, ein bißchen "Yayin" zu trinken. Und das direkt nachdem er ihm gesagt hatte, er solle sich "rein halten"!

Hat Jesus Wein oder Traubensaft getrunken?

(1) Jesus selbst hat zu Pessach Wein getrunken (Matt 26:27; Mar 14:23; Luk 7:31-35; Luk 22:20). Da er nie gesündigt hat, kann es keine Sünde sein, Wein zu trinken.

(2) Würde der Sohn Gottes bei einer Hochzeit Wasser in Wein verwandeln, damit die Gäste trinken, wenn es Sünde wäre, Wein zu trinken? (Joh 2:1-12)

(3) Interessant ist, dass sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus kritisiert wurden, obwohl einer trank, einer nicht (Luk7:33-34).

Ich möchte durch diesen Artikel niemanden ermutigen, Wein zu trinken, sondern die Wahrheit des Wort Gottes lehren. Mißbrauch von Alkohol, der einer Person selbst oder anderen schadet, ist Sünde. Wein in sich selbst ist es nicht.

Nicht zu viel

Viele der "Gegenargumente" reissen leider eine Schriftstelle aus dem Zusammenhang. Hier sind einige Beispiele, die alle klar aufzeigen, dass es nicht um Wein allgemein, sondern um "zu viel" Wein geht:

(1) Hos 4:11 "Wein und Most rauben den Verstand". Im Zusammenhang wird klar, dass diese Aussage nicht absolut gilt, sondern eine gottlose Situation beschreibt. Und da Menschen zu viel Wein trinken, wird dadurch ihr Verstand geraubt.

(2) Jes 5:11 "Wehe denen, die schon am frühen Morgen dem Rauschtrank nachjagen und am Abend verweilen, vom Wein erhitzt!" Wiederum ein Beispiel für Mißbrauch von Wein.

(3) Jes 5:22 "Wehe denen, die im Weinvertilgen Helden sind und tapfer beim Mischen des Rauschtranks". Auch hier wird in den folgenen Versen klar, daß zuviel Genuß sündiges Verhalten mit sich bringt.

(4) Hab 2:15 "Wehe dem, den seinen Nächsten zu trinken gibt" Ein klassisches Beispiel der Verdrehung eines Bibelverses, weil die Verse danach nicht beachtet werden! Dort spricht der Herr über ein bewußtes Irreführen des Nächsten, nicht über allgemeines Weintrinken oder anbieten.

Trunkenbolde werden am Reich Gottes keinen Anteil haben. (1 Kor 6:10)

(5) Auch in der oben erwähnten Stelle 1. Tim 5:18 geht es darum, nicht zu viel Wein zu trinken!

(6) Und in 1 Tim 3:8 sagt Paulus, dass Männer, die Diakone sein wollen, "nicht vielem Weingenuß ergeben" sein sollen.

Die nächsten beiden Passagen zeigen durch starke Ausdrücke, dass es um "zu viel" geht:

(7) Spr 23:20-21 "Sei nicht bei den Säufern von Wein, bei den Schlemmern in Fleisch; denn der Säufer und Schlemmer wird arm, und Verschlafenheit kleidet im Lumpen!"

(8) Röm 13:13 "Wie am Tag lasst uns ehrbar wandeln, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, ..."

(9) Und das letzte, ganz klare Beispiel steht in Sprüche 23:29-35. Hier geht es nicht um jemanden, der ganz allgemein Wein trinkt, sondern um jemanden, der zu viel Wein trinkt. Es wird aufgezeigt, was bei übermäßigem Weingenuß geschehen kann.

Nicht trinken

Natürlich haben wir aber auch die Freiheit, keinen Wein zu trinken. Ähnlich wie beim Heiraten gibt es auch beim Alkohlgenuß eine freie Entscheidung. Beispiele dafür sind:

1) Manche Menschen trinken nicht, weil sie schwach sind und fürchten, zu viel zu bekommen und betrunken zu werden. In diesem Fall ist es weise, nicht zu trinken. Wir sollen immer gemäß unseres Glaubens und unserer Selbstbeherrschung handeln.

2) Manche trinken nicht, weil sie Alkoholiker waren und nicht wieder abhängig werden wollen. Richtig und sehr weise.

3) Andere trinken nicht, weil es ihnen gesundheitlich (medizinisch) nicht gut tut. (Andere trinken, weil es ihnen gesundheitlich gut tut! - siehe Timotheus)

4) Wieder andere trinken nicht, weil sie es als schlechtes Vorbild und Verführung für andere sehen. Auch in diesem Fall handeln sie richtig, wenn das ihrem Glauben und ihrer Überzeugung entspricht.

Noch viel wichtiger ist ... !

Wenn es also keine Sünde ist, Wein zu trinken, woher kommen dann die Streitigkeiten? "Woher Kriege und woher Kämpfe unter euch? Nicht daher: aus euren Lüsten, in in euren Gliedern streiten?" (Jak 4:1) Ich glaube, dass wir im Leib Christi (nicht nur bei diesem Thema!) zwei Dinge vermissen: 1. Erkenntnis aus dem Wort Gottes und 2. Echte Liebe zu unserem Nächsten. Jeder von uns hat einerseits die Freiheit, in gutem Glauben zu handeln. Gleichzeitig sollen wir mit schwachen Brüdern in Liebe umgehen. Schauen wir uns als Beispiel dazu Röm 14:1 - 15:7 an. Hier geht es um Fleisch, doch wir können es auch auf Wein oder Traubensaft und auf viele andere Bereiche des Lebens anwenden:

"Des Schwachen im Glauben nehmt euch an, doch nicht um über Meinungen zu streiten. Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, ißt Gemüse. Wer ißt, verachte den nicht, der nicht ißt; und wer nicht ißt, richte den nicht, der ißt; denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber aufgerichtet werden; denn der Herr vermag ihn aufzurichten.

Dieser achtet einen Tag höher als den andern, jener hält alle Tage gleich; ein jeglicher sei seiner Meinung gewiß! Wer auf den Tag schaut, schaut darauf für den Herrn, und wer nicht auf den Tag schaut, schaut für den Herrn nicht darauf. Wer ißt, der ißt für den Herrn; denn er dankt Gott, und wer nicht ißt, der ißt für den Herrn nicht und dankt Gott. Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir nun leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Messias gestorben und wieder lebendig geworden, daß er sowohl über Tote als auch über Lebende Herr sei.

Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor dem Richterstuhl des Messias erscheinen; denn es steht geschrieben: «So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir soll sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen.» So wird also ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum laßt uns nicht mehr einander richten, sondern das richtet vielmehr, daß dem Bruder weder Anstoß noch Ärgernis gegeben werde!

Ich weiß und bin in dem Herrn Jesus davon überzeugt, daß nichts an sich selbst unrein ist; sondern nur für den, der etwas für unrein hält, ist es unrein. Wenn aber dein Bruder um einer Speise willen betrübt wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Verdirb mit deiner Speise nicht den, für welchen Messias gestorben ist!

So soll nun euer Bestes nicht verlästert werden! Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist; wer darin Messias dient, der ist Gott wohlgefällig und auch von den Menschen gebilligt. So laßt uns nun dem nachjagen, was zum Frieden und zur Erbauung untereinander dient. Zerstöre nicht wegen einer Speise Gottes Werk! Es ist zwar alles rein, aber es ist demjenigen schädlich, welcher es mit Anstoß ißt. Es ist gut, wenn du kein Fleisch isst und keinen Wein trinkst, noch sonst etwas tust , woran dein Bruder Anstoß oder Ärgernis nehmen oder schwach werden könnte.

Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Selig, wer sich nicht selbst in dem, was er billigt, beschuldigt; wer aber zweifelt und doch ißt, der ist verurteilt, weil es nicht aus Glauben geschieht. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde. Es ist aber unsere, der Starken Pflicht, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht Gefallen an uns selber zu haben. Es soll aber ein jeder von uns seinem Nächsten gefallen zum Guten, zur Erbauung. Denn auch Messias hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht: «Die Schmähungen derer, die dich geschmäht haben, sind auf mich gefallen.» Was aber zuvor geschrieben worden ist, das wurde zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch die Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung fassen. Und der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, untereinander eines Sinnes zu sein, Messias Jesus gemäß, damit ihr einmütig, mit einem Mund Gott und den Vater unsres Herrn Yeshua dem Messias lobt. Darum nehmet euch einer des andern an, gleichwie auch Messias sich euer angenommen hat, zu Gottes Ehre!"

Mit anderen Worten sagt Paulus über das Thema "Fleisch oder nicht Fleisch?": Das ist doch nur Essen. Viel wichtiger ist der Glaube des anderen und die Liebe zu ihm. Was hat der Herr für ein wunderbares Werk in diesem Bruder getan! Er hat ihn erlöst und ihm Glauben gegeben, der im Judasbrief als "hochheilig" bezeichnet wird (Jud 1:20). Und jetzt zerstört ihr diesen Glauben, nur aufgrund eines Essens, über das ihr streitet?

Wenden wir diesen Abschnitt konkret auf unser Thema Wein oder Traubensaft an, so erhalten wir:

1. Wenn du die Erkenntis aus der Bibel hast, dass es keine Sünde ist, Wein zu trinken, dein Bruder aber glaubt, es sei Sünde, so verachte ihn nicht. Trinke nicht vor ihm ein Glas Wein, denn er ist in seinem Glauben schwach und Du gibst ihm dadurch Anstoß oder Ärgernis. Du würdest nicht nicht in Liebe handeln. Denke daran, wie liebevoll Jesus zu dir ist, wenn du schwach bist. Sei genauso zu Deinem Bruder im Herrn.

2. Wenn du keinen Wein trinkst, weil du glaubst, es wäre Sünde, dann richte deinen Bruder nicht in deinem Herzen, der trinkt, weil er die Freiheit dazu hat. Er ist für sein Tun vor dem Herrn verantwortlich, nicht vor Dir. Und auch er soll, genauso wie Du, gemäß seines Glaubens handeln.

3. Vielmehr sollen wir alle einander aufbauen und ermutigen. Im Reich Gottes geht um wichtiger Dinge als Essen und Trinken (damit ist nicht gemeint, dass Essen und Trinken und die Gebote Gottes dazu unwichtig seien!), nämlich um Gerechtigkeit (= ein reines Herz vor Gott zu haben), Friede (Gottes Shalom, der sich durch alle Bereiche unseres Lebens zieht) und Freude im Heiligen Geist (die auf den Herrn selbst gegründet ist und nicht von Situationen abhängt).

Wir haben alle ein eigenes Maß an Glauben bekommen. Der Starke im Glauben soll den Schwachen im Glauben nicht verachten. Der Schwache soll den Starken nicht richten. Wir sollen einander dienen.

Zum Abschluß sei noch geklärt: Ich spreche jetzt nicht über Dinge, die klar im Wort offenbart sind. Zum Beispiel wäre es falsch zu sagen, "Ich esse Blut, weil ich den Glauben dazu habe". Denn die Schrift sagt sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament wörtlich aus, dass wir kein Blut geniessen dürfen (weil die Seele eines Lebewesens im Blut ist). Wir können uns nicht einfach über Gottes Anweisungen hinwegsetzen.

Jesus will uns aus seinem Wort Erkenntnis geben und in Freiheit führen. Gleichzeitig hat er uns auch ein neues Gebot gegeben: dass wir einander lieben, wie er uns geliebt hat. Im Reich Gottes geht es darum, eine reine Beziehung zum Herrn und zu einander zu haben, Gott und den Nächsten zu lieben. Bauen wir einander auf, suchen wir das Gute für den Anderen!

Martin Treml (9. 8. 2013, 9:26)

Kann in allen Punkten mit dieser Auslegung übereinstimmen.


FL (9. 8. 2013, 10:43)

ENDLICH greift mal jemand dieses Thema FUNDIERT auf !!! Ich ärgere mich (leider) immer ein bißchen in den Gemeinden, die mir so ein "Stamperl" Traubensaft anbieten! Da fühle ich mich "gepflanzt"!


Klaus Klaffenböck (9. 8. 2013, 13:16)

Ich war in Österreich, Deutschland und besonders in Russland in ca. 150 unterschiedlichen christlichen Gemeinden. Besonders dort, wo ehemalige Alkoholiker beim Abendmahl teilnahmen, wurde Traubensaft verabreicht. War für uns kein Problem. Es kommt halt einfach beim Trinken auf das Maß an, wie bei allem was wir tun. Jesus hat sich sicher nicht geirrt, als er Wasser in Wein verwandelte.


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